Abendlied

 

Die Nachtluft stockt wie Flammeri,

und unsre Flügel lahmen.

Da kommt ein Gasthof. Geh und sieh

nach einem Bett für jetzt und nie;

und wenn sie fragen: wann und wie,

dann sage höflich: Amen!

 

Die Sternanzünder haben frei.

Wir fischen fromm im Trüben.

Nanu: Wir dachten doch, hier sei

der Silberstrand mit Möwenschrei

und Gletscherblick und Bootsverleih -

wie im Prospekt beschrieben.

 

Zwei Pritschen, Spülstein, Schmuddelwand??

Laß, das hat nichts zu sagen.

Bald fällt ein früher Frost auf's Land;

komm, stell das Schnapsglas aus der Hand!

Wir hofften uns um den Verstand

und mochten nichts mehr wagen.

 

Die Wirtin gähnt in's Flaschenbord.

Die Rechnung! (Schlüssel stecken.)

Ein Radio suppt von Völkermord,

von Krisenherd und Sonntagssport -

Ach ja, wir müssen zeitig fort

und möchten niemand wecken.

 

Der erste Reif beißt schon in's Laub.

Schnell, zieh die Decke höher!

Der Holzwurm bohrt die Nacht zu Staub,

man kennt sich aus und stellt sich taub.

Ob ich an bess're Zeiten glaub? -

Schlaf! Streck dich aus! Rück näher!